Raymon Tarok Ultimate im Test: Meine Runde um Kreischa
Spoiler: Leicht für seine Klasse, verzeiht Fahrfehler – und nach gut 30 Kilometern und 600 Höhenmetern war noch die Hälfte im Akku.
Dr. Robert Peschke
Genussbiker
Zuletzt geändert:06.11.26
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Key Takeaway
Das Raymon Tarok Ultimate ist ein Carbon-E-Fully mit Avinox-M2S-Motor (bis 150 Nm), fest verbautem 700-Wh-Akku, 160/150 mm Federweg und Mullet-Laufrädern für 9.999 €. Mit rund 21 kg in Größe L ist es für ein Full-Power-E-MTB sehr leicht. Auf meiner Runde um Kreischa (gut 30 km, rund 600 Höhenmeter) ließ es sich agil und auch in kniffligen Situationen leicht fahren, das Fahrwerk verzeiht Fehler, nichts hat geklappert, und am Ende waren noch etwa 50 % im Akku. Auch mit über 110 kg Fahrergewicht fand ich es sehr komfortabel. Es passt zu allen, die volle Motorleistung wollen, ohne ein schweres, wuchtiges E-MTB zu fahren.
Ich geb's zu: Als das Tarok Ultimate vor mir stand, hab ich zweimal hingeschaut.
Full-Power-Motor, 700 Wattstunden Akku.
Und trotzdem ein schmales Oberrohr, Klarlack-Carbon, ein paar goldene Akzente. Sieht eher nach Trailbike als nach E-MTB aus.
Gut aussehen ist das eine. Ob es was taugt, merkst du nur draußen.
Also bin ich raus. Auf meine Hausrunde rund um Kreischa und durch den Lockwitzgrund.
Damit das klar ist: Ich bin kein professioneller Produkttester. Aber ich fahre sehr regelmäßig E-Mountainbikes, aus verschiedenen Leistungsklassen und Preispunkten. Und ich bring über 110 Kilo mit auf den Trail. Wenn ein Bike da komfortabel bleibt, will das was heißen.
Hier ist, was das Tarok Ultimate auf meiner Runde gezeigt hat, was mich überzeugt hat und für wen es passt.
Was ist das Raymon Tarok Ultimate?
Der Klassiker?
„Raymon? Ist das nicht die günstige Marke?“
War mal so. Raymon hat in den letzten Jahren ordentlich nach oben gezogen: mehr Technik, eigenständiges Design, hochwertigere Ausstattung. Das Tarok Ultimate ist das Topmodell dieser neuen Linie.
Die Eckdaten für die Detailverliebten unter euch:
Rahmen | Vollcarbon, 4 Größen (S–XL) |
Motor | Avinox M2S, bis 150 Nm |
Akku | 700 Wh, fest verbaut, schnellladefähig |
Federweg | 160 mm vorne (FOX 36 Factory GRIP X2), 150 mm hinten (FOX Float X Factory) |
Laufräder | Mullet: 29″ vorne, 27,5″ hinten, Raymon CO30 |
Reifen | Continental Kryptotal-Fr / -Re, Enduro-Karkasse, 2,4″ |
Schaltung | SRAM XO Eagle AXS Transmission, 1x12, kabellos |
Bremsen | SRAM MAVEN Silver, 200-mm-Scheiben vorne und hinten |
Sattelstütze | FOX Factory Transfer, 180 mm Hub |
Gewicht | rund 21 kg (Größe L) |
Preis | 9.999 € |
Den Avinox-Antrieb kennst du vielleicht schon aus unserem Beitrag zum Orbea Wild LT H10. Richtig viel Drehmoment in einem sehr kompakten Motor. Genau das nutzt Raymon, um den Rahmen so schlank zu bauen.
Für ein Full-Power-E-MTB ist das Tarok richtig leicht. Und genau das merkst du auf dem Trail.
Meine Testrunde: Kreischa, Wilisch und Lockwitzgrund
Von Kreischa geht's erst mal hoch auf den Wilisch. Von dort über den Blaubergweg und dann durch den Lockwitzgrund bis nach Dresden, unter der Autobahnbrücke durch. Auf der anderen Seite des Lockwitzgrunds fahr ich über die Hummelmühle wieder zurück.
Das Schöne an der Runde: Sie ist etwas über 30 Kilometer lang, sammelt aber rund 600 Höhenmeter. Weil du im Lockwitzgrund immer wieder vom Kamm runter ins Tal fahren kannst, zum Beispiel an der Burgstädtler Linde. Runter, wieder hoch, wieder runter. Genau richtig, um ein Bike kennenzulernen.
Gefahren bin ich das Tarok im Oktober, in Rahmengröße M.
Ein Hinweis, weil's dazugehört: Wilisch und Lockwitzgrund sind auch bei Wanderern beliebt. Also Augen auf und Tempo raus, wenn's eng wird.
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Wie fährt sich das Raymon Tarok Ultimate?
1. Leicht, und das spürst du
Was mich als Erstes überzeugt hat: wie leicht das Tarok für seine Leistungsklasse ist. Ich bin schon viele Full-Power-E-MTBs gefahren. Die meisten fühlen sich an wie ein Bike plus Motor. Das Tarok fühlt sich eher an wie ein Mountainbike, das zufällig sehr stark ist.
2. Agil, auch wenn's schwierig wird
Persönlich am meisten begeistert hat mich die Agilität. Auch in etwas schwierigeren Situationen lässt sich das Tarok sehr leicht handeln. Steile Abfahrt vom Kamm ins Tal, Wurzeln, enge Ecken: Das Bike macht mit, statt dagegen zu arbeiten.
3. Das Fahrwerk verzeiht Fehler
Mal ehrlich: Jeder von uns setzt mal eine Linie daneben. Das Fahrwerk bügelt das aus. Du kommst nicht aus dem Konzept, sondern einfach weiter.
4. Komfortabel, auch für schwere Fahrer
Mit über 110 Kilo merke ich schnell, ob Gabel, Dämpfer und Laufräder an ihre Grenzen kommen. Beim Tarok: nicht. Die Komponenten waren für mich extrem komfortabel. Und geklappert hat auf der ganzen Runde nichts.
Ein Bike, das Fehler verzeiht, macht dich nicht nachlässig. Es macht dich mutiger.
Viel Motor muss nicht nach viel Motor aussehen. Und schon gar nicht so fahren.
Dr. Robert Peschke
Und der Akku?
Gut 30 Kilometer, rund 600 Höhenmeter, über 110 Kilo Fahrer. Am Ende hatte ich noch etwa 50 % Restkapazität.
Heißt für mich: Die Runde hätte ich glatt noch mal fahren können ;-)
Wie weit du kommst, hängt natürlich von Gelände, Gewicht und Unterstützungsstufe ab. Wie du das realistisch einschätzt, liest du in unserem Ratgeber zur E-Bike Akku-Reichweite.
700 Wh sind keine Zahl fürs Datenblatt. Sondern Reserve für die Extrarunde.
Little Exkurs: Was bringt ein Mullet-Setup?
Mullet heißt: vorne 29 Zoll, hinten 27,5 Zoll. Das große Vorderrad rollt besser über Wurzeln und Steine, das kleinere Hinterrad gibt dir in steilen Passagen mehr Platz hinter dem Sattel und macht das Heck wendiger.
Gerade bei den steilen Abfahrten vom Kamm runter ins Tal ist das ein echter Vorteil. :no_upscale())
Was du vor dem Kauf wissen solltest
Kein Bike ist für jeden perfekt. Ein paar Punkte solltest du kennen:
Sattelstütze: 180 mm Hub. Wenn du groß bist und lange Beine hast, schau, ob das für dich reicht.
Leitungen: Laufen komplett durch den Steuersatz. Sieht clean aus, macht Service aber aufwendiger. Gut, wenn deine Werkstatt das kennt.
Rahmenschutz: Ein extra Unterrohrschutz ist nicht dran. Wer viel im Steinfeld unterwegs ist, rüstet nach.
Preis: 9.999 € sind eine Ansage. Für die Ausstattung aber ein fairer Wert.
Welche Größe passt zu dir?
Das Tarok gibt es in vier Größen. Verstellbare Geometrie per Flip-Chip gibt es nicht.
Größe | Reach | Stack | Radstand | Sitzwinkel |
S | 435 mm | 643 mm | 1.223 mm | 78,3° |
M | 456 mm | 643 mm | 1.244 mm | 77,9° |
L | 480 mm | 652 mm | 1.273 mm | 77,6° |
XL | 505 mm | 661 mm | 1.302 mm | 77,3° |
Lenkwinkel (64°), Kettenstreben (445 mm) und Tretlagerabsenkung (19 mm) sind in allen Größen gleich.
Mein Tipp: Fahr zwei Größen Probe. Erste Orientierung geben dir unsere Größentabellen.
Für wen passt das Tarok Ultimate?
Passt zu dir, wenn …
du volle Motorleistung willst, aber kein schweres, wuchtiges E-MTB
du ein Bike suchst, das auch in kniffligen Passagen leicht zu fahren ist und Fehler verzeiht
du lange Runden mit vielen Höhenmetern fährst und Reserve im Akku willst
du etwas mehr wiegst und trotzdem Komfort erwartest
Eher nicht, wenn …
du vor allem gemütlich auf Forstwegen unterwegs bist. Dann reicht ein günstigeres Tourenbike
du ein besonders leichtes Light-E-MTB mit weniger Motor suchst
Du suchst etwas anderes? Dann schau dich in unserer Auswahl an E-Fullys um.
Raymon E-MTBs bei Little John Bikes
Lesen ist das eine. Ob das Tarok zu dir passt, merkst du erst auf dem Bike.
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Bezahlen kannst du per 0%-Finanzierung oder per Bikeleasing über deinen Arbeitgeber
Und weil Herbst ist: Hast du dein Rad bei uns gekauft oder eine VeloCard, ist die Inspektion von Oktober bis Februar kostenlos**.
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Little Reminder
Full-Power heißt nicht automatisch schwer.
Und nicht automatisch unhandlich.
Wenn das Bike zu wuchtig ist: → kämpfst du in jeder Abfahrt
→ wird jeder Fehler teuer
Wenn es leicht und gutmütig ist: → fährst du lockerer
→ und hängst noch eine Runde dran
Und genau darum geht's.
Nicht das längste Datenblatt.
Nicht der meiste Motor.
Sondern ein Bike, das zu deinem Trail passt.
Probefahrt vor Datenblatt. Immer.
Dr. Robert Peschke
Mehr über den Autor
Dr. Robert Peschke
Genussbiker
Ich bin Robert und führe Little John Bikes. Meine besten Führungslektionen hab ich aber nicht im Meetingraum gelernt, sondern im Wald.
Auf dem E-Mountainbike gibt’s keine Präse und keine Ausreden. Da bist nur du, deine Entscheidung und der nächste Meter. Bist du zu schnell, merkst du’s sofort. Zögerst du, auch. Der Trail ist brutal ehrlich, und genau deshalb lieb ich ihn.
Hier im Blog geb ich hier und da mal meinen Blick mit, was Biken mir und meiner Selbstführung bringt, warum Los-machen das beste Training ist und wohin unsere Reise als #Team grade so geht. Mal mit einem Schmunzeln, mal etwas deeper, aber immer direkt.
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