Riemenantrieb oder Kette? Die Frage aller Fragen!
Spoiler: Die Kette kann mehr, der Riemen will weniger. Zumindest, wenn es um Pflege geht.
Lisa Augustin
Genussbikerin
Zuletzt geändert:18.08.26
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Wer ein neues Fahrrad oder E-Bike sucht und möglichst wenig Wartungsaufwand haben möchte, stolpert früher oder später über dieselbe Frage: Riemenantrieb oder Kettenantrieb?
Und dann beginnt das Internet. Der Ort, an dem jeder seine Meinung hat und diese auch vertritt.
Die einen Radfahrer schreiben, ihr Riemen laufe seit Jahren praktisch ohne Wartung. Andere schwören auf die klassische Kette, weil sie effizient, günstig und fast überall zu reparieren ist. Wieder andere diskutieren über Wirkungsgrad, Reibung, Haltbarkeit und Anschaffungskosten, bis du am Ende weniger weißt als vorher.
So ungefähr ging es mir auch. Ich bin mein Leben lang mit einer Fahrradkette gefahren. Den Riemen kannte ich nur aus Facebook-Gruppen, aus Foren oder von Fahrrad-Influencern. Aber so richtig schlau wurde ich daraus nicht.
Dann war ich bei einer Schulung von Gates und habe mich intensiver mit dem Thema beschäftigt. Mein größter Aha-Moment?
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Der Riemen hält länger, als ich gedacht hätte. Viel länger als meine Kette.
Aktuell habe ich außerdem ein i:SY mit Riemenantrieb zum Testen da. Für einen Langzeittest ist es noch zu früh, aber der erste Eindruck im Alltag ist ziemlich eindeutig:
Das Ding fährt sich super smooth.
Also lass uns mal beide Antriebsarten genauer unter die Lupe nehmen. Denn beide Antriebsarten haben ihre Daseinsberechtigung.
Kette oder Riemen: Wie kommt deine Kraft überhaupt ans Hinterrad?
Egal welches Antriebssystem du fährst: Am Ende muss die Kraft deiner Beine von der Kurbel auf das Hinterrad übertragen werden. Und zwar so effizient wie nur möglich.
Beim klassischen Kettenantrieb übernehmen das Kettenblatt, Ritzel beziehungsweise Kassette und die einzelnen Kettenglieder. Die Kette greift in die entsprechenden Zahnräder und sorgt so für die Kraftübertragung.
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Beim Riemenantrieb läuft stattdessen ein Zahnriemen zwischen den Riemenscheiben.
Bei Gates z.B. ziehen sich bei manchen Modellen Carbonfasern durch den Riemen. Dadurch ist er sehr zugfest und verändert sich nicht auf dieselbe Weise in seiner Länge, wie es bei einer verschleißenden Kette der Fall sein kann.
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Vorteile des Kettenantriebs
Bei all der Begeisterung für Riemen sollte man eines nicht vergessen:
Der Kettenantrieb ist nicht ohne Grund seit Ewigkeiten Standard.
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Seine größten Vorteile liegen vor allem bei Auswahl, Flexibilität und Preis.
Eine Kette lässt sich mit sehr vielen Fahrradtypen und Schaltungen kombinieren. Gerade bei einer klassischen Kettenschaltung hast du eine große Bandbreite an Übersetzungen und kannst Komponenten relativ einfach ersetzen.
"Wenn ich im Sommer mit dem Rennrad mehr Pässe fahren möchte, dann schraube ich mir einfach eine größere Kassette drauf.“
Lisa Augustin
Auch bei den Anschaffungskosten liegt ein Fahrrad mit Kettenantrieb häufig niedriger.
Dazu kommt: Ersatzteile findest du nahezu überall. Auch wenn du gefühlt am Ende der Welt bist.
Das ist besonders für Radfahrer interessant, die viel reisen, selbst schrauben oder bei Reparaturen unabhängig sein wollen.
Und dann gibt es noch ein wichtiges Thema für die Profis, Hobbysportler und Möchtegern-Profis: Effizienz.
Eine gut eingestellte, saubere und gepflegte Kette kann sehr effizient laufen. Deshalb ist der Kettenantrieb gerade im sportlichen Bereich nach wie vor extrem beliebt.
Allerdings steckt in diesem Satz ein wichtiges Detail:
sauber und gepflegt.
Und jetzt mal Hand aufs Herz: Wann hast du zuletzt deine Fahrradkette gepflegt? So richtig mit Entfetten, trocknen lassen, ölen oder wachsen?
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Der Wirkungsgrad ist nicht alles!
In Diskussionen über Riemen und Kette landet man ziemlich schnell beim Wirkungsgrad.
Auch bei Reddit und Co. wird darüber ausgiebig gestritten. Die einen pochen auf die Effizienz einer gepflegten Kette. Andere sprechen hier von Laborumgebungen, weil der Alltag nun mal nicht immer sauber und gepflegt ist.
Und ich gebe zu: Letztere haben recht.
Du fährst ja nicht nur indoor auf einer Rolle mit deinem Fahrrad. Du fährst draußen.
Deine Kette bekommt Regen, Staub und Dreck ab. Das Öl altert, Schmutz bleibt daran hängen und irgendwann steigt die Reibung.
Das heißt: Die theoretisch beste Effizienz bringt dir wenig, wenn sie nur Theorie ist. Und das ist sie meist leider, weil der Antrieb eben nicht so gut gepflegt wird, wie er sollte.
Ein Riemen braucht deutlich weniger Pflege, um sauber zu laufen.
Für Sportler ist der Wirkungsgrad wichtig.
Für einen Vielfahrer, der jeden Morgen einfach zur Arbeit möchte, können dagegen ganz andere Faktoren wichtiger sein: Pflege, Geräusche, Verschleiß und die Frage, wie viel Aufwand der Antrieb im echten Leben macht.
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Der größte Vorteil des Riemens?
Die Langlebigkeit. Eine Kette hält bei mir zwischen 6000 und 8000km. Weil ich ein leichtes Mädel bin und meine Kette gut pflege. Wenn ein Mann in die Pedale haut, dann kann es auch sein, dass die Kette bei entsprechender Beanspruchung nur 4000km hält.
Und beim Riemen ist es anders. Auf der Schulung hatte ich einen Riemen in der Hand, der 35 000 km hinter sich hatte. Das ist natürlich ein Extrembeispiel. Aber unabhängig davon: Ein Riemen hält länger bei weniger Pflegeaufwand.
Außerdem läuft ein Riemenantrieb super smooth.
Kein klassisches Kettenrasseln, kein Ölfilm und du musst dir auch keine Gedanken drüber machen, ob deine Hosenbeine dem Antrieb vielleicht ein bisschen zu nahekommen.
Gerade bei einem Pendelrad, Citybike oder Alltags-E-Bike ist das ein Gamechanger.
Und darum hat der Riemen gerade bei Alltags- und Vielfahrern viele Fans.
"Je nördlicher es wird, desto mehr Riemen werden verkauft.“
Marco Hössel, Gates
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Wasser, Bürste, fertig: So sieht die Riemenpflege aus
Der Riemen braucht kein klassisches Kettenöl. Und auch keinen Kochtopf mit Wachs.
Bei normaler Verschmutzung ist die Pflege absolut unspektakulär:
Wasser und Bürste.
Das war's im Normalfall schon.
Bei einer Kette sieht die regelmäßige Wartung anders aus. Reinigen, schmieren, überschüssiges Öl entfernen – und irgendwann Kette oder weitere Verschleißteile wechseln.
Dazu kommt das Thema Rost. Vor allem im Winter.
Eine klassische Fahrradkette kann bei Feuchtigkeit, Salz und mangelnder Pflege korrodieren. Der Riemen selbst hat dieses Problem so nicht.
Wer das Fahrrad nur gelegentlich nutzt und gerne selbst pflegt, wird den zusätzlichen Aufwand einer Kette wahrscheinlich nicht dramatisch finden.
Wer dagegen jeden Tag fährt und möglichst wenig daran machen möchte, bewertet genau denselben Aufwand vielleicht völlig anders.
Wartungsarm. Nicht wartungsfrei.
Und jetzt kommt der Satz, den ich nach der Gates-Schulung auf jeden Riemenantrieb kleben würde:
Wartungsarm bedeutet nicht wartungsfrei.
Im Netz findet man schnell Geschichten von Rädern, bei denen angeblich über viele Tausend Kilometer überhaupt nichts gemacht wurde.
Kann passieren. Ist aber meistens eine Ausnahme.
Bei einem Riemenantrieb müssen mehrere Faktoren zusammenspielen:
die richtige Spannung
eine korrekte Riemenlinie
ein geeigneter Fahrradrahmen
ein passend ausgelegter Hinterbau
geeignete Komponenten
das richtige System für den jeweiligen Einsatzzweck
Stimmt einer dieser Punkte nicht, kann der eigentlich unkomplizierte Riemen plötzlich ziemlich kommunikativ werden.
Sprich: Er macht Geräusche. Und wenn das dann ignoriert wird, kann sich dieser auch ziemlich fies abnutzen.
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Fahrradrahmen und Hinterbau müssen zum Riemen passen
Eine Kette lässt sich trennen. Ein geschlossener Riemen nicht einfach so.
Deshalb muss der Fahrradrahmen beziehungsweise Hinterbau konstruktiv auf den Einsatz eines Riemens vorbereitet sein. Dazu gehören unter anderem eine passende Rahmenöffnung und Möglichkeiten, das System korrekt zu spannen.
Hinzu kommt die Riemenlinie. Die Riemenscheiben müssen so zueinander ausgerichtet sein, dass der Riemen gerade läuft.
Stimmt diese Linie nicht, kann es Probleme oder Geräusche geben.
Interessant fand ich bei der Gates-Schulung, dass die Ursache nicht zwingend beim Riemen selbst liegen muss. Sogar ein unpassendes Tretlager kann dazu führen, dass die Riemenlinie nicht mehr stimmt.
Kleine Randnotiz für den Fahrradkauf: Ob dein Citybike zusätzlich einen Gepäckträger, Schutzbleche oder ein Rahmenschloss hat, ist für die Wahl der Antriebsart ziemlich egal. Beim eigentlichen Rahmen und Hinterbau sieht das komplett anders aus. Die müssen passen.
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Die Riemenspannung misst man nicht mit dem Daumen!
Das war ebenfalls ein Punkt, bei dem ich bei der Schulung genauer hingehört habe.
Die richtige Spannung wird nicht nach dem Prinzip geprüft:
„Joah, fühlt sich ungefähr richtig an.“
Werkstätten haben dafür ein entsprechendes Werkzeug, mit dem die Riemenspannung kontrolliert werden kann.
Was ein Riemen überhaupt nicht leiden kann
Jetzt wird es ein bisschen paradox:
Der Riemen ist extrem zugfest. Aber seitliche Kräfte mag er überhaupt nicht.
Beim Transport oder Lagern sollte ein Riemen deshalb nicht verdreht, geknickt oder anderweitig seitlich belastet werden. Denn das kann ihn beschädigen.
"Seitlich dran herumpielen?“ Untersteh dich!"
Lisa Augustin
Das Kosten-Nutzen-Verhältnis
Ein richtiger Nachteil sind je nach System die höheren Anschaffungskosten beziehungsweise teurere Ersatzkomponenten.
Bei der Gates-Schulung wurde auch erklärt, warum bestimmte Riemenscheiben entsprechend teuer sein können. Der Produktionsaufwand hochwertiger Komponenten ist größer, wenn Edelstahlriemenscheiben einzeln und sehr präzise gefertigt werden. Ist ja klar. Das kostet.
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Auf der anderen Seite stehen Haltbarkeit und geringerer Pflegeaufwand.
Deshalb würde ich nicht nur fragen:
Was kostet das Ersatzteil?
Sondern:
Wie lange nutze ich es und welchen Wartungsaufwand spare ich mir währenddessen?
Für Touren- und Bikepacking-Fahrer kommt noch ein Punkt hinzu: die Verfügbarkeit unterwegs.
Eine Fahrradkette oder ein passendes Kettenschloss bekommst du nahezu überall.
Bei einem speziellen Riemen oder einer bestimmten Riemenscheibe kann das schwieriger sein. Das sollte man bei längeren Reisen mitdenken.
Kann ich ein altes Fahrrad einfach auf Riemen umbauen?
Bitte nicht einfach drauflosbasteln.
Der Rahmen muss konstruktiv dafür geeignet sein. Rahmenöffnung, Spannmöglichkeit und Riemenlinie müssen stimmen.
Bei vielen modernen Rädern wird der Riemenantrieb bereits bei der Konstruktion eingeplant. Bei älteren Modellen ist das nicht automatisch der Fall.
Natürlich gibt es Bastellösungen.
Nach dem, was ich aus der Gates-Schulung mitgenommen habe, würde ich bei einem Bauteil, über das dauerhaft ordentlich Kraft übertragen wird, lieber auf eine saubere technische Lösung setzen. Nicht auf eine Bastellösung. Und wenn du dir unsicher bist – frag einen Experten.
Riemenantrieb am E-Bike
Bei einem E-Bike kommt noch eine zusätzliche Kraftquelle ins Spiel.
Deshalb ist wichtig, dass das verwendete Riemensystem auch für Motor und Einsatzzweck freigegeben ist.
Gates bietet unterschiedliche Systeme für unterschiedliche Anwendungen an.
Unter anderem gibt es CDC, CDN und CDX. Das CDX-System ist dabei für höhere Belastungen ausgelegt. Wichtig ist nciht, dass du beim Fahrradkauf jede Produktbezeichnung auswendig kennst. Viel wichtiger ist, dass das verbaute System zu deinem Fahrrad, Motor und Einsatzzweck passt.
Genau deshalb solltest du bei der Beratung möglichst ehrlich erzählen, was du mit dem Rad vorhast.
Gemütlich zur Eisdiele?
Täglich 20 Kilometer pendeln?
Ganzjährig bei Wind und Wetter?
Touren und Bikepacking?
Viele Höhenmeter?
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Das sind für die Wahl des Antriebs deutlich wichtigere Informationen als die Frage, welches System auf dem Datenblatt vermeintlich am hochwertigsten aussieht.
Welche Antriebsart passt zu dir?
Am Ende gibt es keine pauschale Antwort.
Ein Riemenantrieb passt besonders gut zu dir, wenn du …
möglichst wenig Wartungsaufwand möchtest
regelmäßig oder täglich fährst
bei jedem Wetter unterwegs bist
einen sauberen und leisen Antrieb willst
keine Lust auf regelmäßiges Ölen hast
Wert auf hohe Haltbarkeit legst
ein Pendel-, City- oder Tourenrad suchst
Ein Kettenantrieb passt besonders gut zu dir, wenn du …
bei der Schaltung maximale Auswahl möchtest
möglichst geringe Anschaffungskosten suchst
Reparaturen gerne selbst erledigst
unterwegs einfach Ersatzteile bekommen möchtest
ein sportliches und direktes Fahrgefühl bevorzugst
den zusätzlichen Aufwand bei Reinigung und Wartung nicht schlimm findest
Little Reminder
Für manche Radfahrer ist die Effizienz entscheidend.
Für andere das Gewicht.
Für den nächsten die Haltbarkeit.
Und der Vielfahrer möchte vielleicht vor allem morgens losfahren, ohne vorher über Öl, Rost oder Reinigung nachzudenken.
Nicht Riemen oder Kette ist die entscheidende Frage. Sondern: Was willst du mit deinem Rad machen?
Wenn du dir bei der Wahl noch unsicher bist, erzähl uns in einer Little John Bikes Filiale, wie du wirklich fährst. Dann schauen wir gemeinsam, welche Antriebsart zu deinem Alltag passt – statt einfach das Kreuz beim vermeintlich besseren System zu setzen.
Mehr über die Autorin
Lisa Augustin
Genussbikerin
Ich bin Lisa Augustin aus dem Schwabenländle, 32 Jahre jung, und ohne Kaffee läuft hier gar nichts. Früher Softwareentwicklerin, heute SEO-Expertin mit eigenem Fahrradblog (LisasBunteWelt). Ich fahre alles mit Pedalen – ob Rennrad, Gravelbike, Hardtail, Fully oder Indoor auf der smarten Rolle – einfach, weil es mir Spaß macht und ich beim Radfahren so viel von der Welt sehe. Bikepackingtrips und Fahrradurlaube gehören für mich genauso dazu wie kleine Feierabendrunden und Fahrten zur Eisdiele.
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