Nackenschmerzen beim Radfahren?
Dann sitzt du ziemlich sicher nicht so, wie dein Körper das gern hätte
Lisa Augustin
Genussbikerin
Zuletzt geändert:03.05.26
:no_upscale())
Du steigst aufs Fahrrad, fährst los, alles fühlt sich gut an.
Doch nach ein paar Kilometern kommt es:
Ein Ziehen im Nackenbereich, Verspannungen im Schulterbereich, vielleicht sogar Schmerzen entlang der Halswirbelsäule oder bis in die Handgelenke.
Viele suchen dann Lösungen beim Physiotherapeuten, probieren Dehnübungen oder gönnen sich Massagen.
Doch die Beschwerden kommen oft wieder. Weil nur die Symptome bekämpft werden und nicht die Ursache.
Denn die Hauptursache liegt selten im Nacken selbst.
Wenn dein Nacken weh tut, arbeitet dein Körper gegen dich
Beim Fahrradfahren ist dein Oberkörper nach vorn geneigt. Deine Halswirbelsäule muss den Kopf stabilisieren, damit du nach vorn schauen kannst.
Das bedeutet:
Die Schultermuskulatur und der gesamte Nackenbereich stehen dauerhaft unter Spannung.
Solange die Position passt, ist das kein Problem.
Passt sie nicht, entstehen Verspannungen – und genau die spürst du.
Der Schmerz sitzt im Nacken.
Die Ursache liegt fast immer in deiner Haltung auf dem Fahrrad.
Die Hauptursache: eine zu gestreckte Sitzposition
Das sehen wir extrem häufig.
Wenn dein Fahrrad zu lang ist oder dein Setup nicht stimmt, passiert Folgendes:
Deine Arme sind zu gestreckt, deine Schultern ziehen nach vorne und dein Kopf muss aktiv gegen die Position arbeiten.
:no_upscale())
Der Druck verteilt sich nicht mehr ausgewogen auf deinem Körper, sondern landet im Nacken- und Schulterbereich.
Mein erstes Hardtail war ein Ghost Lector. Größe S, dachte ich – passt schon.
Tut es ja bei Klamotten meistens auch.
Das Problem: Die Oberrohrlänge war deutlich länger als bei anderen Bikes in der gleichen Größe.
Und plötzlich saß ich viel zu gestreckt drauf.
"Man fühlt sich, als wäre man auf einem viel zu großen Schiff unterwegs."
Lisa
Gestreckt, instabil, irgendwie immer am Nachjustieren. Und genau da kamen auch die Nackenschmerzen her.
Das war der Moment, in dem klar wurde:
S ist nicht gleich S.
Fahrräder fallen genauso unterschiedlich aus wie Kleidung.
Und wenn die Länge des Oberrohrs nicht zu deinem Oberkörper passt, merkst du das ziemlich schnell – meistens im Nacken.
Warum „bequem sitzen“ oft zu mehr Problemen führt
Viele wollen es möglichst komfortabel und stellen den Lenker hoch oder wählen eine sehr aufrechte Sitzposition.
Das Problem:
Diese Haltung entlastet nicht – sie verschiebt den Druck.
mehr Gewicht auf dem Gesäß → Sitzschmerzen beim Radfahren
weniger aktive Unterstützung durch die Muskulatur
mehr Spannung im Nackenbereich
Und letztlich: Dein Körper arbeitet weniger mit und einzelne Bereiche übernehmen zu viel.
Ergonomie bedeutet: Belastung verteilen
Eine ergonomisch sinnvolle Position sorgt dafür, dass dein Körper als Ganzes arbeitet.
deine Beine übernehmen den Antrieb
deine Rumpfmuskulatur stabilisiert die Wirbelsäule
deine Arme und Hände führen den Lenker, statt ihn zu tragen
:no_upscale())
Je besser diese Verteilung funktioniert, desto weniger Druck entsteht auf einzelnen Bereichen wie Nacken oder Schultern.
Sitzposition: Trekking vs. Rennrad
Nicht jede Haltung ist gleich.
Beim Rennradfahren ist der Oberkörper stärker geneigt, was effizient ist, aber mehr Stabilität erfordert.
Bei einer klassischen Trekkingposition ist der Oberkörper moderat geneigt – oft die beste Mischung aus Komfort und Kontrolle.
Und ganz wichtig:
Dein Körper muss die Position halten können.
Wenn deine Muskulatur – vor allem im Rücken- und Schulterbereich – nicht ausreicht, entstehen Ausweichbewegungen.
Und genau dann entstehen Verspannungen.
"Das ist so ein bisschen, wie wenn du zu krumm vor dem PC sitzt. Dann merkst du auch deinen Nacken."
Lisa Augustin
Was wirklich gegen Nackenschmerzen hilft
Die Lösung liegt fast immer im Set-up.
Kleine Anpassungen haben große Wirkung:
Sattelhöhe korrekt einstellen → stabilere Haltung
Vorbau verkürzen → weniger Zug im Oberkörper
Vorbau umdrehen → kann auch helfen
Lenker anpassen → Backsweep, Rise, Upsweep
Griffe optimieren → weniger Belastung auf Hände und Handgelenke
:no_upscale())
Und genau hier setzt auch Bikefitting an: Dein Fahrrad wird auf deinen Körper abgestimmt.
Bevor du ein professionelles Bikefitting machen lässt, empfehlen wir dir einen Ergonomiecheck. Den kannst du auch in einer unserer Filialen machen lassen.
:no_upscale())
Übungen als Ergänzung – nicht als Lösung
Natürlich spielen auch Übungen und Krafttraining eine Rolle.
Gezielte Dehnübungen für Nacken, Schulterbereich und Rücken können Verspannungen lösen.
Auch ein stabiler Rumpf entlastet langfristig die Halswirbelsäule.
Aber wichtig:
Übungen unterstützen dich – sie ersetzen kein passendes Setup. Trotzdem sind sie ultra wichtig.
„Bei längeren Fahrten muss ich ständig die Griffposition wechseln. Das liegt an der fehlenden Kraft.“
Lisa
Woran du merkst, dass dein Setup nicht passt
Typische Anzeichen:
deine Arme sind dauerhaft durchgestreckt
deine Schultern sind angespannt
dein Nackenbereich wird schnell müde
du hast Druck im Schulterbereich oder entlang der Wirbelsäule
Oder auf den Punkt gebracht: Es fühlt sich nicht locker an.
Kleine Anpassungen, große Wirkung
Oft braucht es keine großen Veränderungen.
Ein paar Millimeter bei der Sattelhöhe.
Ein etwas kürzerer Vorbau.
Eine leicht veränderte Lenkerposition.
:no_upscale())
Und plötzlich arbeitet dein Körper wieder mit – statt dagegen.
Little Reminder
Nackenschmerzen beim Fahrradfahren kommen nicht einfach so.
Sie sind ein Signal:
Dein Setup passt nicht zu deinem Körper.
Wenn du die Ursache behebst, verschwinden oft nicht nur die Beschwerden im Nackenbereich –
sondern dein gesamtes Fahrgefühl wird besser.
Und genau darum geht es:
Fahren, ohne Verspannungen.
Mehr über die Autorin
Lisa Augustin
Genussbikerin
Ich bin Lisa Augustin aus dem Schwabenländle, 32 Jahre jung, und ohne Kaffee läuft hier gar nichts. Früher Softwareentwicklerin, heute SEO-Expertin mit eigenem Fahrradblog (LisasBunteWelt). Ich fahre alles mit Pedalen – ob Rennrad, Gravelbike, Hardtail, Fully oder Indoor auf der smarten Rolle – einfach, weil es mir Spaß macht und ich beim Radfahren so viel von der Welt sehe. Bikepackingtrips und Fahrradurlaube gehören für mich genauso dazu wie kleine Feierabendrunden und Fahrten zur Eisdiele.
:no_upscale())