Nachhaltigkeit in der Fahrradbranche
Langlebigkeit ist wie die Kette am Rad: Wenn sie nicht gepflegt wird, quietscht es irgendwann – und alle wundern sich, warum es nicht mehr läuft.
Lisa Augustin
Genussbikerin
Zuletzt geändert:04.11.26
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Alle reden von Nachhaltigkeit. Aber was bedeutet das messbar für die Fahrradbranche – und welche konkreten Schritte zur Kreislaufwirtschaft (wie unsere Reparatur- und Inzahlungnahme-Services) setzen wir bei Little John Bikes um? Spielt das Thema beim Kauf oder in der Beratung wirklich eine Rolle? Ich habe dazu mit Robert Peschke, dem CEO von Little John Bikes, gesprochen. Er lebt die Branche, kennt ihre Schattenseiten und sagt ganz offen, wie es ist.
Erst mal schauen, was sich reparieren lässt
Eine verschlissene Kette? Eine Bremse, die nachgestellt werden muss? Das ist noch lange kein Grund, das ganze Bike auszumustern. Bevor du dich von deinem Fahrrad verabschiedest, lohnt sich ein Check: Was ist defekt, welche Ersatzteile gibt es und welcher Aufwand steckt in der Reparatur?
Genau hier kommt die Werkstatt ins Spiel. Wartung und Reparaturen können dazu beitragen, dass du dein vorhandenes Rad länger nutzen kannst. Ob eine Reparatur sinnvoll ist, hängt vom Zustand des Bikes und vom konkreten Schaden ab. Besonders bei sicherheitsrelevanten Teilen gehört die Einschätzung in fachkundige Hände.
Du möchtest dein Rad durchchecken lassen? Hier findest du Informationen zum Werkstattservice bei Little John Bikes.
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Ist dein Bike noch verkehrssicher, kannst du den Werkstattbesuch vielleicht direkt mit einer kleinen Radtour verbinden. Ersetzt du damit eine Fahrt mit dem Auto, sparst du auf dieser Strecke direkte Abgasemissionen ein.
Und während dein Rad beim Service ist, bleibt vielleicht Zeit für einen Kaffee.
Was beim Kauf den Ausschlag gibt
Nach Roberts Einschätzung stehen im Verkaufsgespräch häufig Preis, Ausstattung und Verfügbarkeit im Vordergrund. Fragen zu Materialien oder Herstellung spielen aus seiner Sicht eine kleinere Rolle.
Dabei lohnt es sich, schon beim Kauf ein Stück weiterzudenken: Gibt es passende Ersatzteile? Wer kann das Bike warten? Lässt sich ein beschädigtes Bauteil einzeln austauschen? Solche Fragen helfen dir einzuschätzen, wie sich das Rad im Alltag instand halten lässt.
Auch bei Umweltangaben lohnt sich ein zweiter Blick: Welches Material wurde verändert? Auf welches Bauteil bezieht sich die Aussage? Und wo lässt sich das nachlesen? Mit konkreten Antworten kannst du beim Vergleichen mehr anfangen.
Früher hab ich darüber auch nicht nachgedacht, woher etwas kommt. Mittlerweile bevorzuge ich lokale Marken. #supportyourlokals
Lisa
Was du konkret nachfragen kannst
Nachhaltigkeit ist ein großes Wort. Beim Fahrradkauf helfen oft ziemlich praktische Fragen:
Reparatur: Welche Teile lassen sich austauschen und wer übernimmt die Reparatur?
Ersatzteile: Gibt es passende Komponenten für mein Modell?
Materialien: Wenn Recyclingmaterial eingesetzt wird: in welchem Bauteil und mit welchem Anteil?
Rücknahme: Welche Produkte werden angenommen und was passiert anschließend damit?
Nachweise: Worauf bezieht sich ein Zertifikat genau – auf das Produkt, ein Material oder einen bestimmten Unternehmensstandort?
Ein Beispiel bei Little John Bikes ist die E-Bike-Inzahlungnahme mit dem Partner Upway. Geeignete gebrauchte E-Bikes können nach Prüfung in der Filiale beim Neukauf angerechnet werden. Dafür gelten Annahmekriterien und Modellausschlüsse. Fahrräder ohne Motor sind von diesem Angebot ausgenommen.
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Das Budget fährt immer mit
Ein Fahrrad muss zum Alltag passen – und zum Geldbeutel. Deshalb sollten Informationen über Materialien, Reparaturmöglichkeiten und Ersatzteile schon beim Vergleichen leicht auffindbar sein.
Hilfreich wäre zum Beispiel, neben dem Kaufpreis auch typische Wartungsarbeiten und die dazugehörigen Kosten anzusprechen. So kannst du besser einschätzen, was nach dem Kauf auf dich zukommt.
„Am ehesten steigt die Relevanz wieder, wenn Nachhaltigkeit und wettbewerbsfähige Preise zusammenkommen“, sagt Robert.
Was die Branche besser machen könnte
Beim Fahrradkauf gibt es schon genug zu vergleichen. Informationen über Reparatur und Materialien sollten deshalb verständlich und leicht zugänglich sein. Drei Ideen:
Konkrete Angaben direkt am Produkt: Welche Ersatzteile sind erhältlich? Welches Bauteil enthält Recyclingmaterial? Die Antwort sollte ohne lange Suche auffindbar sein.
Reparaturen besser planbar machen: Klare Abläufe und nachvollziehbare Kosten helfen bei der Entscheidung, ob ein vorhandenes Produkt instand gesetzt werden soll.
Rücknahme verständlich erklären: Was wird angenommen, unter welchen Bedingungen und was passiert danach? Das sollte schon vor der Abgabe klar sein.
Ein Bonusprogramm für zurückgegebene Teile wäre für mich interessant. Wissen möchte ich dabei aber auch, wohin die Teile anschließend gehen und wie sie weiterverwendet oder verwertet werden.
Konkrete Beispiele aus der Fahrrad- und Outdoorbranche
Wie können solche Angebote aussehen? Ein Blick auf einzelne Maßnahmen:
Schwalbe: Über teilnehmende Fachhändler werden gebrauchte Butyl-Fahrradschläuche für das Recycling gesammelt. Nach Herstellerangaben wird das zurückgewonnene Butyl bei der Herstellung neuer Standard-Butylschläuche eingesetzt. Wie die Rückgabe funktioniert und welche Schläuche angenommen werden, erklärt Schwalbe auf seiner Seite zum Schlauchrecycling.
VAUDE: Über ein Reparaturportal kannst du einen Schaden melden. Der Hersteller prüft anschließend, ob eine Reparatur möglich ist und welche Kosten gegebenenfalls entstehen. Hier findest du den Ablauf des Reparaturservices. Für verschiedene Fahrradtaschen bietet VAUDE außerdem Ersatzteile an.
ORTLIEB: Beschädigte Produkte können zur Reparatur eingeschickt werden. Zusätzlich bietet der Hersteller Ersatzteile, Anleitungen und Reparaturen über speziell geschulte Servicehändler an. Die Möglichkeiten und Bedingungen findest du beim ORTLIEB-Reparaturservice.
Patagonia: Für eigene Produkte bietet das Unternehmen einen Reparaturservice sowie Anleitungen zur Pflege und Reparatur an. Informationen dazu findest du auf der Seite Reparieren statt Wegwerfen.
Ob sich dein konkretes Produkt reparieren oder über ein Sammelsystem zurückgeben lässt, hängt vom jeweiligen Angebot und seinen Bedingungen ab. Vor dem Einsenden oder Vorbeibringen lohnt sich deshalb ein Blick auf die Herstellerinformationen.
Auch Waldbike kommt im Gespräch zur Sprache: „Das Konzept von Waldbike finde ich zum Beispiel richtig spannend“, so Robert. Das Unternehmen betreibt eine Manufaktur mit Beratung und Bikeservice in Calw. Der Produktionsstandort allein sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie ressourcenschonend ein Fahrrad produziert wurde.
Ressourcenschonung funktioniert nur, wenn Preis, Qualität und eine lange Nutzungsdauer des Fahrrads zusammenpassen.
Robert
Little Reminder: Frag ruhig genauer nach
Beim nächsten Radkauf darfst du neugierig sein: Welche Teile lassen sich ersetzen? Wo bekomme ich Hilfe bei einem Defekt? Und was steckt hinter den Angaben zu Materialien oder Recycling?
Auch dein vorhandenes Bike verdient einen zweiten Blick. Vielleicht braucht es eine Reparatur, eine neue Einstellung oder ein passendes Ersatzteil, damit du es weiter nutzen kannst.
Ich wünsche mir beim Kauf klare Antworten auf solche Fragen. Verständlich erklärt und direkt auffindbar – damit ich entscheiden kann, was zu mir und meinem Alltag passt.
Ich würde mir wünschen, dass ich beim Radkauf auf einen Blick die Umwelt-Fakten sehe – etwa den genauen Rezyklat-Anteil oder einen Reparatur-Index – ohne lange suchen zu müssen.
Lisa
Mehr über die Autorin
Lisa Augustin
Genussbikerin
Ich bin Lisa Augustin aus dem Schwabenländle, 32 Jahre jung, und ohne Kaffee läuft hier gar nichts. Früher Softwareentwicklerin, heute SEO-Expertin mit eigenem Fahrradblog (LisasBunteWelt). Ich fahre alles mit Pedalen – ob Rennrad, Gravelbike, Hardtail, Fully oder Indoor auf der smarten Rolle – einfach, weil es mir Spaß macht und ich beim Radfahren so viel von der Welt sehe. Bikepackingtrips und Fahrradurlaube gehören für mich genauso dazu wie kleine Feierabendrunden und Fahrten zur Eisdiele.
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